6 Übungen gegen Freezing bei Parkinson

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Hatten Sie schon einmal plötzlich das Gefühl, als wären Ihre Füße am Boden festgeklebt? Sie möchten einen Schritt nach vorne machen, aber Ihre Beine weigern sich einfach, sich zu bewegen. Dieses kurze Gefühl des „Feststeckens“ wird als Gang-Freezing bezeichnet, und wenn Sie es erleben, sind Sie nicht allein. Es ist ein gut bekanntes Symptom bei Parkinson, und es gibt viele Strategien, die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten einsetzen, um solche Episoden zu bewältigen.

Freezing-Episoden sind ein häufiges motorisches Symptom bei Menschen mit Parkinson-Krankheit. Sie können das Gleichgewicht beeinträchtigen, das Sturzrisiko erhöhen und führen oft zu Frustration oder sogar zu Angst vor dem selbstständigen Gehen oder Bewegen.

Warum tritt Freezing auf?

Gehen ist normalerweise eine automatische Handlung, etwas, das wir tun, ohne darüber nachzudenken. Bei Parkinson funktionieren jedoch die Gehirnnetzwerke, die automatische Bewegungen steuern, nicht mehr reibungslos1. Dadurch ist der Körper stärker auf bewusstes Nachdenken angewiesen, um einen Schritt zu machen. Forschende haben vier Hauptursachen für Freezing2 identifiziert:

  • Die Überlastung: In Stresssituationen oder beim „Dual-Tasking“ (z. B. Sprechen während des Gehens) kommt es zu einer Art Stau zwischen motorischen und emotionalen Schaltkreisen.
  • Das Umschaltproblem: Das Gehirn hat Schwierigkeiten, vom geradlinigen Gehen zu einer neuen Aufgabe zu wechseln, etwa beim Durchqueren einer Tür oder beim Drehen.
  • Die Entkopplung: Die Bewegungsabsicht („Ich will losgehen“) ist schneller als die körperliche Vorbereitung – es entsteht eine Unterbrechung im Bewegungsablauf.
  • Der Kipppunkt: Kleine, schlurfende Schritte summieren sich, bis das Nervensystem gewissermaßen „blockiert”.

Grundlegende Informationen zu Symptomen und Verlauf finden Sie in unseren Parkinson Basics.

Was hilft gegen Freezing bei Parkinson?

Gezielte Physiotherapie kann Menschen mit Parkinson, die unter Gang-Freezing leiden, erheblich helfen. Allgemeine Bewegung ist zwar gut für die Gesundheit, reicht jedoch oft nicht aus, um Freezing vorzubeugen. Hier sind einige von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten empfohlene Übungen für zu Hause:

Gewichtsverlagerung: Freezing beginnt häufig, weil das Gewicht nicht vollständig auf ein Bein übertragen wird. Bewusste Gewichtsverlagerungen bereiten den Körper auf die Bewegung vor, unterstützen die Koordination im Gehirn und können Freezing-Episoden reduzieren.

  • Stellen Sie sich hüftbreit hin (halten Sie sich bei Bedarf an einer stabilen Fläche fest)
  • Verlagern Sie das Gewicht langsam auf ein Bein und heben Sie das andere leicht an
  • Halten Sie die Position 2–3 Sekunden, dann wechseln Sie die Seite
  • 10–15 Wiederholungen

Marschieren auf der Stelle: schwierigkeiten beim Bewegungsbeginn sind ein zentrales Merkmal von Freezing. Das bewusste Übertreiben der Bewegung gibt dem Gehirn ein klares Signal, den Schritt einzuleiten.

  • Stehen Sie aufrecht und heben Sie ein Knie deutlich an, dann setzen Sie den Fuß fest auf
  • Wechseln Sie die Beine in einem gleichmäßigen Rhythmus
  • Zählen Sie laut „1-2, 1-2“

Gehen mit externen Hinweisen (Cues): visuelle und akustische Reize helfen, die Füße freier zu bewegen, indem sie dem Gehirn äußere Orientierung bieten.

  • Bringen Sie Klebeband oder Markierungen auf dem Boden an und steigen Sie bewusst darüber
  • Nutzen Sie einen Laserpointer, um den nächsten Schritt anzuvisieren
  • Verwenden Sie ein Metronom für akustische Impulse
  • Variationen: Vorwärtsgehen oder Seitwärtsschritte

Drehtraining: Drehungen sind ein häufiger Auslöser für Freezing. Diese Übung hilft dem Gehirn, Richtungswechsel sicherer und flüssiger zu planen.

  • Üben Sie Drehungen um Gegenstände herum, auf der Stelle oder gehen Sie eine Acht
  • Machen Sie mehrere kleine Schritte und drehen Sie sich NICHT auf dem Standbein (das Drehen auf einem Punkt verengt die Unterstützungsfläche und erhöht das Sturzrisiko)
  • Nutzen Sie bei Bedarf eine Unterstützung oder ein Hilfsmittel

Aufstehen aus dem Sitzen (Sit-to-Stand)3: Viele Freezing-Episoden beginnen direkt nach dem Aufstehen. Diese Übung verbessert Stabilität und Koordination beim Start des Gehens.

  • Stellen Sie die Füße leicht hinter die Knie
  • Beugen Sie sich leicht nach vorne, sodass die Nase über die Zehen kommt
  • Drücken Sie sich über die Beine nach oben
  • Halten Sie kurz inne und beginnen Sie dann zu gehen

Dual-Task-Gehen: Freezing verschlimmert sich oft, wenn die Aufmerksamkeit geteilt ist. Die Kombination aus Gehen und mentaler Aufgabe trainiert das Gehirn für Alltagssituationen

  • Gehen Sie und zählen Sie dabei laut Zahlen
  • Gehen Sie und nennen Sie dabei Obstsorten, Tiere oder Gegenstände
  • Üben Sie dies zunächst nur unter Anleitung einer Therapeutin oder eines Therapeuten

Sicherheits- und Übungstipps:

  • Üben Sie während der „ON“-Phasen Ihrer Medikation
  • Vermeiden Sie Hast und halten Sie nicht die Luft an
  • Nutzen Sie immer eine stabile Unterstützung oder ein Hilfsmittel, wenn Ihr Gleichgewicht eingeschränkt ist
  • Wenn Freezing auftritt: Stoppen Sie, machen Sie eine Pause und beginnen Sie neu

Viele Betroffene dokumentieren ihre Erfahrungen mit Therapien im Parkinson-Register, um voneinander zu lernen und Forschung zu unterstützen.

Bei zusätzlichen Symptomen wie Schluckstörungen bei Parkinson ist eine gezielte therapeutische Begleitung ebenfalls wichtig.

Tragbare Hilfsmittel bei Parkinson-Freezing

Neuere Forschungen untersuchen tragbare und sensorbasierte Technologien zur Unterstützung des Gehens bei Parkinson. Dazu gehören ein weicher roboterischer Exosuit, der das Vorschwingen des Beins unterstützt, ein KI-basiertes Cueing-System4, das Freezing-typische Bewegungsmuster erkennt und darauf reagiert, sowie ein nicht-invasives Fußstimulationsgerät zur Verbesserung der sensorischen Rückmeldungen für die Gangkontrolle. Erste Studien aus den Jahren 2024 bis 2025 berichten über eine Verringerung von Freezing-Episoden, eine verbesserte Gehstrecke oder Geschwindigkeit sowie kurzfristige funktionelle Verbesserungen. Diese Ergebnisse sind vielversprechend, doch die Geräte befinden sich weiterhin in der Erprobungsphase und sollten eher als ergänzende Maßnahmen zur Physiotherapie und medikamentösen Behandlung betrachtet werden, nicht als etablierte Standardtherapien

Einen Überblick über weitere innovative Therapieansätze wie UDCA in der Parkinson-Therapie finden Sie in unserem Hintergrundartikel.

Fazit

Freezing bei Parkinson kann verunsichern, doch Sie sind diesem Symptom nicht hilflos ausgeliefert. Mit gezielten Übungen, klaren Bewegungsstrategien und professioneller Unterstützung lässt sich das Gang-Freezing oft deutlich reduzieren. Kleine, bewusste Veränderungen im Alltag können mehr Sicherheit, mehr Kontrolle und mehr Selbstvertrauen beim Gehen bedeuten. Wichtig ist: Warten Sie nicht, bis Stürze oder starke Unsicherheit auftreten. Je früher Sie gezielt trainieren, desto besser kann Ihr Gehirn neue Bewegungswege lernen.

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Beitrag verfasst von Kalpana Suresh, Physiotherapeutin.

Referenzen

  1. Cockx HM, Oostenveld R, Flórez R YA, Bloem BR, Cameron IGM, van Wezel RJA. Freezing of gait in Parkinson’s disease is related to imbalanced stopping-related cortical activity. Brain Commun. 2024;6(5):fcae259. Published 2024 Aug 2. doi:10.1093/braincomms/fcae259 ↩︎
  2. Cui CK, Lewis SJG. Future Therapeutic Strategies for Freezing of Gait in Parkinson’s Disease. Front Hum Neurosci. 2021;15:741918. Published 2021 Nov 2. doi:10.3389/fnhum.2021.741918 ↩︎
  3. https://www.youtube.com/watch?v=_Yfs3ivnv2I ↩︎
  4. van der Laan M, Rietberg MB, van der Ent M, et al. User Experiences of the Cue2walk Smart Cueing Device for Freezing of Gait in People with Parkinson’s Disease. Sensors (Basel). 2025;25(15):4702. Published 2025 Jul 30. doi:10.3390/s25154702 ↩︎


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