Selbst schnelle Snacks wie Instant-Suppe oder Energieriegel mögen harmlos erscheinen. Doch neue wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es mehr zu bedenken gibt. Hochverarbeitete Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPFs) – von Snacks und Softdrinks bis hin zu Tiefkühlgerichten – sind allgegenwärtig in unserer Ernährung. Jüngste Forschungsergebnisse legen nahe, dass sie nicht nur mit Gewichtszunahme in Verbindung stehen. Neben ihrem Zusammenhang mit Fettleibigkeit, Krebs und Herzproblemen könnten UPFs auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, frühe Symptome der Parkinson-Krankheit zu entwickeln.
–> Unabhängige Infos wie diese finanzieren wir über Spenden – unterstütze patientengeführte Forschung
Was genau sind hochverarbeitete Lebensmittel?
Der Begriff „Ultra-Processed Food“ stammt vom brasilianischen Epidemiologen Carlos A. Monteiro. Er beschreibt industriell hergestellte, „verzehrfertige“ Produkte, die in der Regel mehr als fünf Zutaten enthalten 1. Dazu gehören Fertiggerichte, Soßen, Aufstriche, Softdrinks und Snacks wie Schokolade oder Chips mit Geschmackrichtungen. Denn UPFs sind besonders verführerisch: Sie vereinen Zucker, gesättigte Fette und Salz so, dass sie extrem lecker und schwer aufzuhören sind.
–> Parkinson-Grundlagen kompakt erklärt

Quelle: Victor Chang Cardiac Research Institute
Verursachen hochverarbeitete Lebensmittel Parkinson?
Bislang konnte keine Studie beweisen, dass UPFs direkt Parkinson auslösen. Allerdings zeigte eine im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Studie, dass Menschen mit hohem UPF-Konsum häufiger frühe Anzeichen von Parkinson aufweisen als solche mit geringem Konsum.
Für diese Untersuchung analysierte Dr. Xiang Gao von der Fudan-Universität in China Daten aus zwei großen, langfristigen US-Studien, die zwischen 1976 und 1986 begonnen hatten. Über die Jahre hinweg füllten die Teilnehmenden Gesundheit und Lebensstilfragebögen aus und nahmen an medizinischen Untersuchungen teil. Gao und sein Team betrachteten 42.853 Personen ohne Parkinson-Vorgeschichte. Das Durchschnittsalter lag bei 48 Jahren, 58% waren Frauen. Darüber hinaus wurden sie bis zu 26 Jahren lang beobachtet, wobei Faktoren wie Schlafstörungen, Verstopfung, übermäßige Tagesschläfrigkeit, Depression und körperliche Schmerzen – mögliche frühe Indikatoren von Parkinson – berücksichtigt wurden.
Die Forschenden untersuchten die Ernährungstagebücher der Teilnehmenden, in denen detailliert festgehalten war, was und wie oft sie aßen, um den täglichen UPF-Konsum zu ermitteln. Eine typische Portion UPFs entsprach einer Dose Limonade, einer Unze Chips, einem Stück verpackten Kuchen, einem Hotdog oder einem Esslöffel Ketchup.
Die Ergebnisse zeigten einen klaren Zusammenhang zwischen UPF-Konsum und Parkinson: Personen, die viele UPFs aßen (11 oder mehr Portionen täglich), hatten mehr als doppelt so häufig frühe Parkinson-Anzeihen wie jene, die sehr wenig davon konsumierten.

Wie beeinflussen hochverarbeitete Lebensmittel das Gehirn?
UPFs wirken sich über das Darmmikrobiom auf das Gehirn aus – ein Ökosystem aus Milliarden von Bakterien, Viren und Pilzen in unserem Verdauungssystem. Darm und Gehirn sind sich durch den Vagusnerv verbunden, eine Art Kommunikationsautobahn. So wie das Gehirn Signale an den Darm sendet („Ich habe Hunger“), beeinflusst der Darm die Gehirnfunktion. Er produziert wichtige Hormone und Neurotransmitter, die für Verhalten, Lernen und Gedächtnis entscheidend sind 2. Der Nährstoffmangel in UPFs (Vitamine, Mineralstoffe und gesunde Fette wie Omega-3) behindert die Bildung dieser lebenswichtigen Moleküle.
–> Mehr zur möglichen Rolle des Darms bei Parkinson
Man kann sich das Darmmikrobiom wie einen Garten vorstellen. Wenn UPFs überhandnehmen, breiten sich Unkräuter aus und verdrängen die gesunden Pflanzen. Ungesunde Ernährungsgewohnheiten begünstigen die Vermehrung schädlicher Mikroorganismen, die Entzündungen verursachen und das Krankheitsrisiko erhöhen. Untersuchungen mit Menschen, die an Darmentzündungen leiden, haben gezeigt, dass Entzündungen im Darm dazu führen können, dass sich Alpha-Synuclein verklumpt 3. Laut der immer populärer werdenden „Darm-Hirn-Hypothese“ könnte Parkinson mit diesen Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Darm beginnen, die dann ins Gehirn übergreifen 4. Zudem sind bestimmte Bakterien in einem veränderten Darmmikrobiom mit dem Schweregrad von Parkinson verbunden 5.

Denkst Du darüber nach, hochverarbeitete Lebensmittel zu vermeiden?
Es ist nicht nötig, jedes verpackte Lebensmittel mit mehr als fünf Zutaten wegzuwerfen. Für einkommensschwache Familien sind UPFs oft eine gute (und manchmal die einzige) Option. Einige Konservierungsstoffe helfen, Lebensmittel frisch zu halten und Schimmel oder Bakterienwachstum zu verhindern.
Wenn Du beim Einkaufen bewusster vorgehen möchtest, helfen Dir diese Tipps:
- Als Faustregel gilt: Enthält ein Produkt Zutaten, die Du nicht kennst oder nicht in Deiner Küche hättest, solltest Du skeptisch werden. Dazu zählen etwa Emulgatoren, Stabilisatoren oder Geschmackverstärker—ein Hinweis darauf, dass es sich wahrscheinlich um ein UPF handelt.
- Meide Zutaten mit komplizierten Namen, wie Maltodextrim, Sojaproteinsolat oder gehärtete Fette.
- Suche schnelle und gesunde Alternativen. Ein Salatwrap mit Dosenfisch und Avocado ist genauso schnell zubereitet wie eine Instant-Suppe in der Mikrowelle.
- Koche öfter zu Hause. Eine mediterrane Ernährung, reich an Vollkornprodukten, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Nüssen bei reduziertem Fleischkonsum, kann besonders für Menschen mit Parkinson vorteilhaft sein 6. Mit Essensplannung und Vorkochen lassen sich gesunde Gewohnheiten leichter einhalten.
Fazit zum Thema hochverarbeitete Lebensmittel/ UPFs und Parkinson
Jeder kleine Schritt zählt, wenn es um Deine Gesundheit geht. Lebensmittel zu wählen, die möglichst wenig verarbeitet sind und biologisch angebaut wurden, ist immer eine kluge Entscheidung. Und vergiss nicht, die Zutatenliste zu prüfen: Weniger Inhaltsstoffe bedeuten in der Regel eine gesündere Option.
–> Wenn Dir eine unabhängige, patientengeführte Information wichtig ist, helf uns mit einer Spende – jeder Beitrag zählt
Mehr über uns
–> Lerne unsere Autorin Susy kennen
Referenzen
- Monteiro CA, Cannon G, Levy R, et al. NOVA. The star shines bright. World Nutrition. 2016;7, 28–38. https://repositorio.usp.br/item/002869059
- Needham BD, Kaddurah-Daouk R, Mazmanian SK. Gut microbial molecules in behavioural and neurodegenerative conditions. Nat Rev Neurosci. 2020;21(12):717-731. doi:10.1038/s41583-020-00381-0
- Espinosa-Oliva AM, Ruiz R, Soto MS, et al. Inflammatory bowel disease induces pathological α-synuclein aggregation in the human gut and brain. Neuropathol Appl Neurobiol. 2024;50(1):e12962. doi:10.1111/nan.12962
- Oliver PJ, Civitelli L, Hu MT. The gut-brain axis in early Parkinson’s disease: from prodrome to prevention. J Neurol. 2025;272(6):413. Published 2025 May 21. doi:10.1007/s00415-025-13138-5
- Lin CH, Chen CC, Chiang HL, et al. Altered gut microbiota and inflammatory cytokine responses in patients with Parkinson’s disease. J Neuroinflammation. 2019;16(1):129. Published 2019 Jun 27. doi:10.1186/s12974-019-1528-y
- Maraki MI, Yannakoulia M, Xiromerisiou G, et al. Mediterranean diet is associated with a lower probability of prodromal Parkinson’s disease and risk for Parkinson’s disease/dementia with Lewy bodies: A longitudinal study. Eur J Neurol. 2023;30(4):934-942. doi:10.1111/ene.15698