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Dual-Task-Training bei Parkinson: Was ist das? Wem fällt es schwer? Wie hilft das Training Parkinson-Therapie?

two people walking and talking-dual tasking

Stelle Dir vor, Du unterhältst Dich beim Abendessen und schneidest dabei Dein Essen. Für die meisten Menschen passiert das ganz automatisch. Für Menschen mit Parkinson kann diese scheinbar einfache Kombination von Aufgaben jedoch schwierig und sogar gefährlich werden – denn Sprechen während des Essens kann das Schluckrisiko erhöhen.

Ähnlich verhält es sich beim Gehen durch eine belebte Straße, während man eine Frage beantwortet: Die Schritte werden langsamer, die Schrittlänge kürzer, und das Gleichgewicht fühlt sich unsicherer an. Das sind alltägliche Beispiele für Dual-Tasking – also das gleichzeitige Ausführen zweier Aufgaben – und sie spiegeln eine der häufigsten Herausforderungen wider, mit denen Menschen mit Parkinson konfrontiert sind.¹

Bei Parkinson sind die Basalganglien – eine Gruppe von Hirnstrukturen, die an der automatischen Bewegungssteuerung beteiligt sind – durch den fortschreitenden Verlust dopaminproduzierender Zellen betroffen. Die Basalganglien automatisieren vertraute Bewegungsabläufe wie das Mitschwingen der Arme beim Gehen oder das Verlagern des Körpergewichts beim Umdrehen. Wenn dieses System gestört ist, erfordert Bewegung mehr bewusste Aufmerksamkeit. Das gleichzeitige Ausführen einer motorischen und einer kognitiven Aufgabe kann dadurch die Leistung bei beiden beeinträchtigen. Forscher bezeichnen dieses Phänomen als Dual-Task-Interferenz. Sie kann zu langsamem Gehen, kürzeren Schritten, verminderter Koordination sowie einem erhöhten Risiko für Freezing und Stürze führen.¹

Kann Dual-Task-Training bei Parkinson helfen?

Die Forschung zu Dual-Task-Training (DTT) bei Parkinson hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Mehrere systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen belegen seine Wirksamkeit.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit 14 randomisierten kontrollierten Studien und 548 Teilnehmenden mit Parkinson zeigte, dass Dual-Task-Training dem Einzelaufgaben-Training bei der Verbesserung von Ganggeschwindigkeit, Schrittlänge und Kadenz unter Doppelbelastung überlegen war. Die Studie berichtete auch von Verbesserungen der Dual-Task-Kosten und der Lebensqualität, jedoch ohne zusätzlichen Nutzen für die Sturzangst.²

Diese Ergebnisse stimmen mit einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2023 überein, die nach Dual-Task-Training im Vergleich zu anderen Rehabilitationsansätzen signifikante Verbesserungen bei Ganggeschwindigkeit, Schritt- und Schrittlänge sowie dynamischer Balance zeigte.³ Eine weitere aktuelle Studie, die Dual-Task- und Einzelaufgaben-Training hinsichtlich Gehleistung, Balance und kognitiver Funktion verglich, unterstützte ebenfalls die Vorteile von DTT für die Mobilität – wies jedoch darauf hin, dass weitere Forschung zur Wirkung auf die Kognition erforderlich ist.⁴

Über alle Studien hinweg umfassten die Trainingsprogramme Einheiten von 30 bis 60 Minuten, zwei- bis fünfmal pro Woche über vier bis zwölf Wochen. Häufige Trainingsaufgaben waren Gehen unter verbaler Wortflüssigkeit, serielles Subtrahieren oder auditive Reaktionsaufgaben. Insgesamt spricht die aktuelle Evidenz dafür, Dual-Task-Training in die Parkinson-Rehabilitation zu integrieren, da das kombinierte Training motorischer und kognitiver Anforderungen die Alltagsfunktion verbessern kann.²⁻⁶

Dual-Tasking-Übungen bei Parkinson

Die folgenden Übungen sind an Dual-Task-Paradigmen aus der Parkinson-Forschung angelehnt und können zu Hause oder in einer therapeutischen Einrichtung durchgeführt werden. Übungen im Stehen sollten immer unter Aufsicht und gegebenenfalls mit Hilfsmittel oder einer Begleitperson durchgeführt werden. Wenn die Bewegung unsicher wird, die Schritte kleiner werden oder Freezing auftritt: kognitive Aufgabe pausieren, stabile Bewegung wiederherstellen und dann weitermachen.

Gehen und Sprechen

  • Bewegung: Gehe auf der Stelle in einem gleichmäßigen Tempo. Nutze bei Bedarf ein Hilfsmittel oder eine Begleitperson.
  • Kognitive Aufgabe: Nenne laut Begriffe aus einer Kategorie – zum Beispiel Zahlen, Farben, Tiere oder Früchte – und wechsel nach jeder Runde die Kategorie, ohne den Rhythmus der Bewegung zu unterbrechen.
  • Was diese Übung trainiert: Sie kombiniert rhythmisches Schrittmachen mit verbaler Wortflüssigkeit und Kategorienwechsel und erhöht damit die Aufmerksamkeits- und Exekutivfunktionsanforderungen auf eine Weise, die reale Gehsituationen widerspiegelt.

Beidhändige Aufgabe

Setze dich aufrecht an einen Tisch.

  • Bewegung: Klopfe mit der rechten Hand einen gleichmäßigen Rhythmus auf den Tisch, während Du mit der linken Hand langsame, kreisförmige Bewegungen ausführst.
  • Kognitive Aufgabe: Zähle laut von 50 rückwärts.
  • Was diese Übung trainiert: Diese Aufgabe fordert die gleichzeitige motorische Kontrolle beider Hände und kombiniert dies mit einer Arbeitsgedächtnisaufgabe – ein gutes Abbild des Zusammenspiels von kognitiver Verarbeitung und motorischer Koordination.

Schrittübung mit Go/No-Go-Aufgabe

Stehe mit schulterbreit geöffneten Füßen.

  • Bewegung: Trete langsam von einer Seite zur anderen, und hebe dabei die Füße aktiv an, anstatt sie zu schleifen.
  • Kognitive Aufgabe: Eine Begleitperson gibt Signalwörter vor. Bei „Ja“ weiterstepppen. Bei „Nein“ sofort anhalten, zwei bis drei Sekunden stillstehen und dann die Bewegung ruhig wieder aufnehmen.
  • Was diese Übung trainiert: Diese Übung ist an das Go/No-Go-Paradigma aus der Motorikkontrollforschung angelehnt. Sie trainiert Reaktionshemmung, Stopvermögen und die Wiederaufnahme von Bewegung unter kognitiver Belastung – Funktionen, die bei Parkinson häufig beeinträchtigt sind.

Abschließende Gedanken zu Dual-Task-Training bei Parkinson

Dual-Tasking fällt bei Parkinson schwer – aber genau das macht Training so wertvoll. Wachsende Evidenz legt nahe, dass das sichere und strukturierte Üben kombinierter motorischer und kognitiver Aufgaben die Ganggeschwindigkeit, Schrittlänge und allgemeine Mobilität bei Menschen mit Parkinson verbessern kann.²⁻⁴ Diese Verbesserungen gehen über klinische Messwerte hinaus und können dazu beitragen, mehr Sicherheit, Selbstvertrauen und Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.

Folgen Sie uns in den sozialen Medien für Videoanleitungen zu diesen Übungen, damit Sie zuhause mitmachen können. Sprechen Sie vor Beginn eines neuen Übungsprogramms immer mit Ihrem Physiotherapeuten oder Neurologen.

Referenzen:

  1. Fok P, Farrell M, McMeeken J. The effect of dividing attention between walking and auxiliary tasks in people with Parkinson’s disease. Hum Mov Sci. 2012;31(1):236–246. doi:10.1016/j.humov.2011.05.002
  2. Sarasso E, Parente MP, Agosta F, Filippi M, Corbetta D. Dual-task vs. single-task gait training to improve spatiotemporal gait parameters in people with Parkinson’s disease: a systematic review and meta-analysis. Brain Sci. 2024;14(5):517. doi:10.3390/brainsci14050517
  3. García-López H, Castillo-Pintor M, Castro-Sánchez AM, Lara-Palomo IC, Obrero-Gaitán E, Cortés-Pérez I. Efficacy of dual-task training in patients with Parkinson’s disease: a systematic review with meta-analysis. Mov Disord Clin Pract. 2023;10(9):1268–1284. doi:10.1002/mdc3.1382
  4. Lin X, Zhang Y, Zhang X, Chen X, Liu J, Yang L, Pang MYC. Comparing the effects of dual-task training and single-task training on walking, balance and cognitive functions in individuals with Parkinson’s disease: a systematic review. Chin Med J (Engl). 2024;137(13):1535–1543. doi:10.1097/CM9.0000000000002999
  5. Xiao Y, Yang T, Shang H. The impact of motor-cognitive dual-task training on physical and cognitive functions in Parkinson’s disease. Brain Sci. 2023;13(3):437. doi:10.3390/brainsci13030437
  6. Tan X, Wang K, Sun W, Li X, Wang W, Tian F. A review of recent advances in cognitive-motor dual-tasking for Parkinson’s disease rehabilitation. Sensors. 2024;24(19):6353. doi:10.3390/s24196353
Kalpana ist neurologische Physiotherapeutin aus Indien mit praktischer Erfahrung in der Betreuung von Menschen mit Parkinson sowie anderen neurologischen Erkrankungen. Sie hat in der Rehabilitation gearbeitet, Selbsthilfegruppen begleitet und Programme zu Bewegung, Alltagsfunktion und assistiver Technologie durchgeführt. Ihre Motivation ist persönlich geprägt durch die Erfahrungen mit ihrer Großmutter, die mit Parkinson lebte. Bei Kill Parkinson bringt sie ihre therapeutische Expertise ein, um praxisnahe Ansätze zu teilen und die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Angehörigen zu unterstützen.

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